(Hier ist ein extrem verfilzter Tibet Terrier auf dem Tisch. Leider blieb nur eine Komplettschur)

 

                         Immer wieder erreichen mich „Hilferufe“    :  verfilzte Hunde.

 

Leider kommen diese Hilferufe oftmals viel zu spät.  In solch einem Fall bleibt nur eine komplette Schur des Tieres, weil eine Entfilzung des Fells reine Quälerei für das Tier bedeuten  würde. Allerdings kann man auch in einigen Fällen das Fell retten.

 

     

Ich versuche immer so viel Fell wie möglich zu erhalten. Somit kann man als Lösung eine „Teilschur“ probieren. Dann werden nur die schlimmsten Stellen (oft z.B. unter dem Bauch, Innenschenkel, Achseln, Kehle/Hals, Flanken, Hinterteil bzw Genitalien) geschoren. Durch das lange Deckhaar, welches drüber fällt, kann man dann so manches „Loch“  gut verstecken.

Einzelne Filzstellen können gut aufgeschnitten  und ausgebürstet werden. Dieses geht auch, je nach dem wo der Filz sitzt und wie stark der Filz ist bzw.  wie nah dieser auf  der Haut  sitzt ,  relativ gut auf gösseren Flächen. Allerdings ist dieses sehr Zeitaufwendig, und auch für den Hund sehr anstrengend und unter Umständen schmerzhaft, weil es  „ziept“.  Solche Entfilzungen werden dann natürlich nicht auf einmal gemacht. Hierfür benutze ich spezielle Entfilzungsgeräte.

 

Mein Rat an Sie:

Achten Sie unbedingt darauf dass stark verfilzte Hunde nicht nass werden! Der Filz schnürt sich noch mehr zusammen, und es wird noch unangenehmer für ihr Tier. Zudem, wird ein Hund, der so wie der oben gezeigte, nicht  mehr Trocken, es dauert Tage!

 

Achten Sie zudem auf das richtige Halsband. Bei langhaarigen Hunden, ist es ratsam das Halsband oder auch Geschirre nur bei Bedarf umzulegen. Das Halsband sollte im Idealfall ein rund genähtes sein, dieses vermeidet schnelleres verfilzen. (Bei Rauhaarrassen ist es ähnlich, allerdings bricht das harte Fell, entlang der Nähte)

 

Entfilzungssprays  bzw Shampos  bringen gar nichts. Sie werden nicht drum herum kommen, Ihren Hund regelmässig  kämmen und bürsten zu müssen. Solche Sprays mögen das Fell wunderschön glänzen lassen, aber auch nur, wenn das Fell ohnehin regelmässig gepflegt wird. 

 

Warum verfilzen Hunde?

Oftmals liegt es daran dass die Besitzer gar nicht wirklich wissen, wie das Hundefell richtig, systematisch durchgearbeitet wird. Vor allem bei langhaarigen Hunden sind oftmals  die Besitzer überfordert, und wissen am Ende nicht mehr wie sie die Mähne bändigen sollen.

Es kommt immer wieder vor dass Hundebesitzer es „verpassen“  ihren 4-Beiner  an die Fellpflege zu gewöhnen. Und plötzlich mag „Pfiffi“  sich nicht mehr Bürsten lassen, schnappt, läuft weg, wehrt sich sozusagen mit „Händen und Zähnen“  gegen die Fellpflege-  und oftmals geben die Hundehalter auf.

 

Natürlich kann es auch vorkommen dass Hundehalter einen Hund aus ein Tierheim übernahmen, und niemand weiss warum  der Hund böse oder überängstlich auf was reagiert. Und darum lässt man ihn lieber in Ruhe.

Eine schwierige Phase, vor allem bei Langhaarhunden  ist, wenn das Babyfell abgestossen wird. Leider kommt es dabei schnell zu extremen Verfilzungen – es bleibt  oftmals nur eine komplette Schur des Juniors.

Viele Hundehalter haben einfach keine Zeit ihren 4-Beiner regelmässig zu  bürsten und zu kämmen. Manchmal ändern sich die Lebensumstände, Kinder  werden geboren, neue Arbeit, oder Trennung vom Lebenspartner. Da steht dann (leider) ebenfalls, die notwendige  Fellpflege hinten an.

Oftmals hängt die Pflege von der Qualität der Fellstruktur ab. Es gibt Hunde die haben trotz des sehr langen Fells  eine Pflegeleichte Struktur. Das Fell fasst sich „härter“ an,  z.B. Ziegenfell- ähnliches. Andere Rassen haben wiederum ein Watte- ähnliches Fell, welches natürlich wesentlich schwieriger zu Pflegen ist. So kommt es z.B. auch oft bei Mischlingen zu Problemen, weil diese unter Umständen 2 komplett verschiedene Fellstrukturen „vereinen“.  

 

Ein weiterer Grund ist z.B.  auch das Alter des Tieres. Viele Hunde bekommen im erhöhten Alter eine etwas andere Fellstrukur (oder vermehrte Bildung des Unterfells), weil sich unter anderem der Hormonhaushalt ändert. (z.B. Diabetis bekommen, auch  Tumore können Auslöser sein). Nicht zu vergessen, können auch Kastrationen einen erheblichen Einfluss auf das Fell haben.

 

Warum sollten starke Verfilzungen vermieden werden?

Extreme Verfilzungen können sich sehr negativ auf die Gesundheit des Tieres auswirken. In erster Linie können schlimme Hautentzündungen entstehen. Meist sitzen verfilzte Hunde voller Parasiten, die sich unter der dicken, warmen Wolle  unbemerkt vermehren und die Hautflora erheblich reizen. Der Hund ist der „Plage“  chancenlos ausgeliefert, weil er ohne unsere Hilfe nicht gegen ankommt. Nervosität, Unruhe und Gereiztheit des Hundes, können hierbei noch einen unangenehmen  Nebeneffekt mit sich bringen.

Der Filz liegt wie ein Teppich auf der Haut, die  nicht nur beim Menschen eines der wichtigsten Organe ist. Durch diese dicke, oft stark verdreckte oder feuchte Fellschicht wird die Funktion der Haut sehr eingeschränkt. Oftmals trocknet sie durch diese unnatürliche Dauerbelastung extrem aus, der Hund schuppt sehr, leidet unter Juckreiz.  Ebenfalls ist eine extreme Verfettung der Haut möglich, es bilden sich regelrechte „Fettschichten“  auf ihr, die natürlich Funktion wird bzw. ist gestört -  die Haut des Hundes erstickt förmlich.

Das Tier regelt unter anderem über die Haut seinen Wärmehaushalt. Bei extremer Wärme oder auch Anstrengung könnte der Hund einen regelrechten Hitzeschlag erleiden.

Gerade bei Verfilzungen um den Genital/ Analbereich  kann es zu gesundheitliche Schäden kommen. Z.B. können durch angesammlte Bakterien Harnweginfektionen entstehen. Zudem ist es äußerst unhygienisch wenn sich Kotreste usw.  im Fell verkleben und der Hund  diese über Sofa, Bodenbeläge oder gar Betten schleppt oder und zudem zwischen Kindern lebt.

 

Der Hund kann durch starke Verfilzungen in seinem Bewegungsfreiraum behindert werden. Immerhin ziept es sicher an allen „Ecken und Kannten“  wenn das Fell z.B. ab den Innenschenkeln  miteinander verknotet ist, oder der Filz in den „Achselhöhlen“ drückt  .

 

 

Starke Verfilzungen im Gesicht können dem Hund  unangenehme Augenentzündungen bescheren.  Oftmals reizen, in das Auge piekende Haar, oder angesammelte Bakterien die Empfindliche   Flora. Zudem verursachen übermässig viele Haare und Dreck  in den Ohren  eine mangelnde „Belüftung“ der relativ engen Gehörgänge. Dieses hat dann meist Ohrenentzündungen oder gar Ohrenzwang zur Folge. Der Hund versucht durch häufiges Kratzen, oder mit dem Ohr über den Teppich rutschen und häufigen Kopfschütteln, das unangenehme Gefühl oder Schmerzen zu „bekämpfen“ - vergeblich!

Auch Filz zwischen den Ballen oder den Zehen können eine Qual für einen Hund bedeuten.  Es ist in etwa mit tragen von viel zu kleinen Schuhen zu vergleichen. Entzündungen der sensiblen Haut, die durch Sand, Steinchen usw.  gereizt und verletzt wird, kommen immer wieder vor. Eine sehr unangenehme Situation für ihr Hund, viele betroffene Hunde lecken ihre Pfoten wund, weil sie selbst versuchen, die Fremdkörper zu beseitigen.

 

 

 

Hier sehen Sie 3 Vertreter, bei denen der Filz zum Standard gehört. Wenn man genau hinsieht, kann man erkennen, dass der Filz hier keinen Teppich auf der Haut bildet (wie auf dem Bild oben). Das Fell wird regelmässig in einzelne, möglichst gleichstarke Strähnen gerissen, die so genannten Zotteln. Auf diese Weise ist eine „Atmung“ der Haut gewährleistet. Wasser kann schnell an den Zotteln ablaufen, und das Fell relativ schnell trocknen. Das Deckhaar und die Unterwolle wachsen zusammen, auf diese Art und Weise, können die Zotteln eine beträchtliche Länge bekommen. Dennoch : diese Hunde sind gepflegt.

 

 

Eine Puli                                                            Ein Pumi

 

 

                                      Ein Kommodor